Glaube, Liebe, Hoffnung

Auch wenn das Wort “Tugend” von meinem Lehrer kaum verwendet wurde, so war er selber wohl in einem sehr eminenten Sinn “tugendhaft”. Im Christentum kommen zu den vier Kardinaltugenden (siehe die grandiosen Darlegungen in diesem Buch von Josef Pieper) die drei “übernatürlichen” Tugenden dazu, wir würden heute eher das Wort spirituell verwenden. Innere Haltungen und Erfahrungen sind hier gemeint. Es sind innere Schätze, die das Leben ordnen, und in das bringen, was es sein kann und sein soll. Gnaden-gaben des heiligen Geistes, so sah das die traditionelle Kirche immerhin. Wenn wir uns in der Praxis aus guten Gründen gegen die Kirche unserer Eltern und Großeltern entschieden haben, ist es wichtig zu sehen, dass der Verein teilweise auf schlimmen Abwegen dahinschlittert und seinen eigenen – lebensbejahenden und lebenserfüllenden – Kern zu großen Teilen vermisst.

Glaube

meint in der erfahrenen und erfahrbaren Realität hier so viel wie: Ich glaube Dir. Ich kann Dir vertrauen. Und da sind wir schon wieder bei der Meditation: Ich vertraue Dir, Du geheimnisvolles, abgründiges, und – solange ich noch nicht vertrauen kann – beängstigendes und geheimnisvolles Schweigen, Du Nichts. Ich glaube dran, daß ich in diesem Hineinsterben alles finden werde. Da sind wir eigentlich schon in Richtung Hoffnung unterwegs. Der erfüllte Glaube hat Ruhe und Freude und Leichtigkeit im Herzen. Glaube heißt auch Vertrauen in den Weg, und sehen daß es sinnvoll ist, das Leben und die Welt und Menschen – so wie sie sind – vollständig zu erfahren. Zu erkennen, daß dieses komplette Erkennen Wollen eine wesentliche Grundkraft unserer Natur ist, und daß wir sie bejahen müssen, weil sonst unser Wesenskern nicht heil sein kann.

Liebe

ist Wohlwollen, ist in der Einswerdung so intensiv, daß sie aufhört, etwas Separates zu sein, durchdringendes Glück, heilende innere Strahlung, die alles durchdringt. Großes Glück.

Hoffnung

mit dieser beschenkt zu sein, ist ein großer Schatz. Die große Erfüllung und Lösung von allen Qualen der Selbstsucht und des Festhaltens ist eine reale Aussicht. Hier, in diesem Leben. Die Gewißheit, ich bin auf einem heilsamen und richtigen Weg, ich gehe, wir gehen, gemeinsam auf dieses Ziel zu. Und als Akt der Liebe können wir denen, die uns nahe sind, immer wieder Trost spenden und Mut machen, weil wir alle verlieren manchmal jegliche Hoffnung und verzeifeln am Durchqueren der Wüsten, welche naturgegebene Tatsache auf dem inneren Weg sind.